Presse50.000 Anhänger gebaut

Haller Tagblatt ‒ 9. Juni 1993

Jubiläumsstück nach Brandenburg / 500 verschiedene Typen im Programm / Gut ausgelastet

UNTERMÜNKHEIM (-/ne) Vergangenen Freitag wurde bei der Firma Barthau Anhängerbau GmbH im Untermünkheimer Ortsteil Brachbach gefeiert: Der 50.000. Anhänger wurde der Firma Specht aus dem brandenburgischen Kolzenburg, einem der zahlreichen Vertriebspartner in den neuen Bundesländern, ausgeliefert. Bei Barthau war es dem Zufall überlassen worden, wer den Jubiläums-Anhänger bekommt. Über den Jubeltag hinaus zeichnete Firmenchef Paul Barthau eine günstige Zukunft seines Unternehmens: Die Auftragslage sei gut.

Den Anhängerbau hat Schlossermeister Paul Barthau (49) 1966 als Ein-Mann-Betrieb begonnen. Seither hat sich die Firma zu einem Fahrzeugbaubetrieb mit industrieller Fertigung erweitert. Waren es in der Anfangszeit auf dem elterlichen Bauernhof bei Weinsberg noch Auto-Anhänger in Einzelfertigung von 400 bis 1000 Kilogramm und einachsige Viehanhänger, entwickelte sich daraus in Brachbach eine Anhänger-Firma, die zwischenzeitlich über ein eigenes flächendeckendes Vertriebsnetz verfügt. Es werden über 500 verschiedene Typen vom 400-Kilogramm-Autoanhänger bis zum 16-Tonner-Lastwagen-Anhänger produziert. Die Anhänger werden nicht nur in Deutschland und im europäischen Ausland verkauft, sondern über die deutsche Entwicklungshilfe bis nach Übersee.


Firmenchef Paul Barthau übergibt den 50.000 Anhänger an seine Vertragshändler Ilona und Gerd Specht aus Kolzenburg in Brandenburg. Rechts Elisabeth Barthau. Als zusätzliche Überraschung bekamen die Spechts einen Aufenthalt "im Hohen-lohischen" spendiert - inkl. eines Besuchs beim Vellberger Weinbrunnenfest.

Neben der Serienfertigung mit dem ganzen Bereich von Pkw-Anhängern, Vieh- und Pferde-Anhängern, Autotransport-Anhängern, Sportanhängern der verschiedensten Art, geschlossene Aluminium-Anhänger und einem derzeit in den ostdeutschen Ländern besonders begehrten Programm an Baumaschinen-Anhängern sind die vielen Sonderanfertigungen mittlerweile eine Spezialität der Firma Barthau geworden.

Rund 40 Prozent der Fertigung sind Spezialanhänger. Siebzig Mitarbeiter bauen derzeit täglich zwischen 18 und 22 Anhänger; ein kleiner Teil davon wird vom Kunden im Werk abgeholt. 80 Prozent werden mit zwei werkseigenen Lastzügen täglich ausgeliefert, im Herbst soll ein dritter Lastzug hinzukommen.

Zielstrebig neue Märkte in den ostdeutschen Ländern erschlossen

Nach Wegfall der innerdeutschen Grenze hat jedoch auch die Firma Barthau die einmalige Chance genutzt und schnell und unkompliziert bereits im März 1990 die ersten Verbindungen in die neuen Bundesländer angebahnt. Die ersten Anhänger-Transporte folgten wenig später. Wie Paul Barthau betonte, kostete es erhebliche Anstrengungen, diesen Markt "fast über Nacht" aufzunehmen. Es gelang, den Personalstand von rund 45 Mitarbeitern kurzfristig auf 70 Mitarbeiter aufzustocken. Parallel dazu wurden auch die entsprechenden Fertigungsstätten wie Hallen und Maschinenpark kurzfristig erweitert und beschafft, ohne dass der übrige Betrieb behindert war. "Wir konnten alle neuen Kunden aus dem Osten beliefern, ohne den bisherigen Kundenstamm im Westen Deutschlands zu vernachlässigen", blickte Barthau erfreut zurück. Diese Steigerung sei aber auch nur möglich gewesen, weil die gesamte Belegschaft Überstunden gemacht habe: "Unsere Belegschaft hat damals begriffen, dass es jetzt gilt, und jeder machte mit, so gut er konnte." Dieser zielstrebige Ausbau der Aktivitäten im Osten komme der Firma Barthau in der derzeitigen Phase konjunktureller Abkühlung zugute. Sie profitiere aber auch von der Erweiterung ihrer Montagehalle im Jahr 1989 " zu einer Zeit, als die Deutsche Einheit noch nicht abzusehen war.

Diese Erweiterung machte es möglich, einen der modernsten Schweißroboter für die Fertigung von Serien-Fahrgestellen und kleinen Baugruppen zu instalieren. Mit dieser Anlage sei es möglich, preisgünstig gegen Billiganbieter aus dem Ausland anzutreten. Die heute noch gute Auslastung begründete Paul Barthau auch damit, dass ein Anhänger bei Investitionen zuletzt eingespart werde: "Egal, wie man Güter transportiert, bleibt ein Anhänger immer noch eines der wirtschaftlichsten Transportmittel, weil als Zugfahrzeug in der Regel immer ein Auto vorhanden ist.